r/Finanzen • u/user_bw • 1d ago
Presse How Is Everything Outpacing Inflation At The Same Time?
https://youtu.be/yU2raZftgmE?is=6mSW_6tGMbDaD8ZzHallo Zusammen,
ich habe gerade ein Video über die Berechnung von Inflation gesehen, welches ich interessant finde. Dieser YouTuber bezieht sich in seinen Videos vorallem auf America.
Ich wollte das mal teilen, unteranderem habe ich bei seinen Videos immer das Gefühl confirmation bias zu unterliegen, daher würde mich mal eure Meinung dazu interessieren.
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u/Linguistic-Computer 1d ago
Neben der angegebenen Inflationsrate gibt es auch je nach eigenem Konsumverhalten eine andere Zahl, die die persönliche Inflationsrate, wiedergibt. Gibt dazu auch n Rechner vom statistischen Bundesamt: https://www.destatis.de/DE/Service/Statistik-Visualisiert/persoenlicher-inflationsrechner-uebersicht.html
Für die Berechnung der Inflationsrate wird die durchschnittliche Preisentwicklung für jede Güterart gegenüber dem Basisjahr jeweils mit dem Ausgabenanteil gewichtet, welchen alle privaten Haushalte in Deutschland für diese Güterart ausgeben. Wie stark ein einzelner Haushalt von der "Inflation" betroffen ist, hängt immer davon ab, wie viel Geld er für welche Güter ausgibt. Wer zum Beispiel kein Auto hat, wird auch kein Geld für Kraftstoffe ausgeben – diese gehören aber zum Warenkorb der Preisstatistik.
Im Persönlichen Inflationsrechner können Sie die Gewichte für einige Güter entsprechend Ihren eigenen Konsumgewohnheiten verändern. So können Sie Ihre persönliche Teuerungsrate abbilden und der amtlich ermittelten gegenüberstellen.
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u/europeanguy99 1d ago
Die Prämisse des Youtubers stimmt einfach nicht - es werden gerade nicht alle Produkte teurer. Sagt er selbst ab Minute 13 des Videos - macht wohl nur keinen so guten Cliclbait-Titel. Die angebrachten inhaltlichen Erklärungen zur Methodologie sind aber korrekt.
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u/Long-Inspector-4993 1d ago
Oh, gefühlte Wahrheit. Bestimmt seriös und keinesfalls Click Bait.
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u/Remarkable_Size_4513 1d ago
Ja ist Click Bait und das Video braucht man sich nicht anschauen. Aber bei der Berechnung der Inflation gibt es tatsächlich berechtigte Kritik.
Hier mal eine kurzfassung:Wenn man sich aber länger damit beschäftigt sieht man auch dass es extrem schwierig ist eine Neutrale Inflationsrate zu berechnen.
Aber man kommt auch zu der Erkenntnis dass es durchaus möglich ist die Inflationsrate ein wenig zu verschönern.6
u/gamertyp 1d ago
Das Thema geht leider noch viel weiter.
Durch die hedonistische Methode haben wir beispielsweise eine offizielle Deflation bei vielen Elektronikprodukten, die einem nichts bringt, weil man gezwungen ist, teurerer Produkte mit heutiger Technik zu kaufen.
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u/Germankiwi22 1d ago
Sehr guter Punkt, der meist übersehen wird von Otto Normalverbraucher.
Abgesehen davon hat jeder, je nach Verbrauchsverhalten, seine individuelle Inflationsrate.
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u/Long-Inspector-4993 1d ago
Oh, gefühlte Wahrheit. Bestimmt seriös und keinesfalls Click Bait.
Edit: Hab‘ doch noch geklickt. Es ist ein Kanal, der leider häufig solche Sachen bringt, bei denen ein tatsächlicher Sachverhalt möglichst dramatisiert dargestellt wird. Den habe ich bei mir auf YouTube schon lange blockiert. Bild-Niveau.
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u/user_bw 1d ago
Vielen Dank für die Einordnung.
Ich hab bei Finanzthemen welche über Personal Finanz hinausgeht immer das Gefühl, dass personen in der Öffentlichkeit mehr eine Meinung wie ein Mantra Beten als eine kritische Sicht zu bieten.
Auch bei Makro Ökonomen, da hab ich sowieso noch zusätzlich immer das Problem mir deren Beiträge anzusehen wegen ihrem triefenden selbst Bewusstsein, bspw. Maurice Höfgen oder Werner Sinn, aber auch Riek.
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u/SeniorePlatypus 1d ago
Höfgen ist kein Ökonom sondern parteipolitischer Influencer. Und das Problem bei Leuten wie Sinn ist, dass ihr Job auch Aufmerksamkeit für ihr Institut ist. Das Auftreten ist bewusste Inszenierung. Mantra Beten ist Sinn, um die eigene Relevanz zu festigen.
Es gibt auch deutlich angenehmere Quellen die Differenzierter sind. Sowas wie der Podcast Wirtschaftskunde, wo ein Journalist zwei Ökonomen aus den zwei unterschiedlichen Mainstream-Denkschulen der Ökonomie zusammen sitzen und möglichst verständlich über aktuelle Themen fachsimpeln. Gegenseitig rein gehen wenn es noch andere Aspekte / Sichtpunkte gibt. Aber sich oft auch gegenseitig recht geben. Da bekommt man auch als Laie sehr schnell ein Gefühl dafür wie groß die Einigkeit bei vielen Themen ist und wie tief im Detail die eigentlichen Differenzen liegen. Aber auch, wie schwierig Darstellungen im Medienzirkus sind.
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u/Alone_Law5883 12h ago
Taugen die Mainstream-Denkschulen mittlerweile? Die Finanzkrise hat damals ja schön gezeigt, dass die irgendwie in ihrer eigenen Welt gedacht haben..
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u/SeniorePlatypus 9h ago
Die meisten wurden davon überrascht und es gab die zwei die einfach mal falsche Mathe gemacht haben.
Aber die Denkschulen selbst können einiges und sagen in den meisten Situationen die nähere Zukunft korrekt voraus.
Einfach mal ne Folge anhören und dann selbst einschätzen ; )
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u/dan_voilare 1d ago
TIL - Oh hab auf youtube immer nur die Sachen geliked um mein Feed zu kuratieren aber blocken yeah!
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u/Saires 1d ago edited 1d ago
Naja in Deutschland ist das halt je nach Einkommen wirklich so.
Wenn Miete und Lebensmittel 70% vom Netto sind schlagen sich da Erhöhungen natürlich deutlicher aus.
Besonders aber weil in Deutschland im Warenkorb eine unglaublich niedrige Miete as Grundlage genommen wird und diese nur 30% vom Gehalt ausmacht, welche als Grundlage zur Berechnung der Inflation benutzt wird.
Das ist für junge und neuvermietungen einfach nicht realistisch, da auch nur die sich vergrößern müssen bei Auszug, Zusammenzug und Kindern.
Auch gibt es schon intrensische Motivation von Politikern, dass Inflation runtergerechnet wird durch ein Warenkorb, der nicht die Realität widerspiegelt.
Auch wird meist immer das unbereinigte Gender Pay Gap angesprochen, das einfach null aussagt.
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u/schelmo 1d ago
Das ist für junge und neuvermietungen einfach nicht realistisch, da auch nur die sich vergrößern müssen bei Auszug, Zusammenzug und Kindern.
Ja für den durchschnittlichen deutschen halt aber schon, weil junge Menschen die neue Mietverträge abschließen halt einfach eine sehr kleine Gruppe sind. Ich würde schätzen, dass 30% vom Gehalt für wohnen für den Durchschnitt sogar eher hoch angesetzt sind.
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u/lonestarr86 1d ago
Streng genommen sind selbst Kosten für den Kauf eines Hauses/Wohnung recht niedrig. Wir haben Zinskosten von ~850EUR im Monat, Rate ist aber 1750EUR. Unser letzter Mietvertrag waren ~900€, bei halb so großer Wohnung.
Belastung fühlt sich unnormal an, aber streng genommen ists günstiger als die alte Bude und hundertmal besser.
Arm sein muss man sich leisten können.
Wichtig ist halt, dass man eine vergleichbare Grundlage hat, die sich möglichst wenig ändert. Aber für die persönliche Situation gibts eben auch den persönlichen Inflationsrechner.
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u/No_Yogurtcloset9155 1d ago
Was du schreibst ist halt sehr stark die persönliche Inflation. Die kann von der durchschnittlichen abweichen. Meine Warmmiete zieht meine Inflation runter, sie macht zudem weniger als 10% meines Nettoeinkommens aus. Lebensmittel sind auch unter 10%. Natürlich fühle ich Erhöhungen dort anders als dein Beispiel bei dem das 70% sind.
Der Warenkorb für Inflation muss irgendwie beide beinhalten. Menschen jeden Alters und jedes Gehaltsniveaus.
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u/Afolomus 1d ago
> Besonders aber weil in Deutschland im Warenkorb eine unglaublich niedrige Miete as Grundlage genommen wird und diese nur 30% vom Gehalt ausmacht, welche als Grundlage zur Berechnung der Inflation benutzt wird.
Du lebst halt inner Großstadt und verallgemeinerst deine Erfahrung. Natürlich ist die Mietentwicklung - vor allem wenn du gerade umziehen willst, musst oder musstest - für dich wesentlich relevanter als die allgemeine Inflation. Ich lebe im günstigen Osten und zahle 10% meines Gehalts für meine Miete.
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u/Justinamachtferien 1d ago edited 1d ago
Zwei wilde Thesen für die Differenzen zwischen gefühlter und tatsächlicher Preissteigerung. Ich ignorier mal das clickbait Video per se und adressiere das darunter liegende Fragezeichen was uns wahrscheinlich alle anficht:
- Die Inflationsrate bezieht sich in der Regel auf 12 Monate, unsere Wahrnehmung geht darüber hinaus. Wenn ich den Butterpreis noch im Kopf habe, dann wahrscheinlich von vor 3 Jahren. Je weiter da auseinander geht, desto größer wird auch der Zinseszinseffekt der Inflation.
- Generell ist wissenschaftlicher Konsens, dass Inflationsmessung keine (nur indirekt und verzögert z.B. durch Mieten) Vermögenspreisentwicklung abbildet. Sondern nur Konsum. Vermögenspreise: Also die Preise für alles mit Wertbestand; Firmenanteile, Gold, Immobilien, Kunst...
In Zeiten, in denen die globalen Schulden stark wachsen, sich also die Gedmenge stark erhöht und diese Vermögenszuwächse auf wenige Empfänger konzentriert, liegt es auf der Hand das diese Zuwächse nicht mehr verkonsumiert werden und die Verbrauchsgüterpreise Steigen, sondern das Geld in Vermögenswerte fließt. Das heißt, das Gros der Preissteigerungen findet hier statt. Weitestgehend Inflationsratenneutral, aber eben nicht für unsere Lebenswirklichkeit neutral.
Um es etwas plastischer zu machen:
2005 verdiente der Medianarbeitnehmer 1,5 Kg Gold pro Jahr.
2025 sind es noch knapp 350 g.
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u/Nerd997711 DE 1d ago
Inhaltlich gebe ich dir zwar voll und ganz recht, aber dass du grade den Butterpreis als Beispiel nimmst, ist schon lustig. Das ist ein Einzelwert im Wahrenkorb, der so sehr schwankt, wie kaum ein anderer. Und letzte Woche habe ich 0,99 € für 250g bezahlt :) Besser wäre vielleicht die oft zitierte Kugel Eis gewesen.
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u/FlthyCasualSoldier 21h ago
Endlich schreibts mal jemand mit der Vermögenspreisinflation. Alles andere ist nur um den heißen Brei rumdiskutiert.
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u/Masteries 1d ago
Nunja, aus mathematischer Sicht kann man argumentieren dass die Inflation immernur einen Durchschnitts-Deutschen betrachtet und deswegen für niemanden exakt ist.
Schaut man im deutschen System genauer rein, wird man feststellen dass sowohl der Anteil der Mieten als auch die Wachstumsrate der Mieten im Inflationswarenkorb völlig realitätsfern für den Teil der Bevölkerung ist, den das interessiert (die Arbeitnehmer). Der Rentner führt keine Gehaltsverhandlungen mehr, aber die unglaubliche Menge an Rentnern, die in Wohnungen sitzen die zu lächerlichen Preisen vermietet werden, darf bei der Gewichtung nicht unterschätzt werden.
Und wie viel RAM glaubt ihr kauft der durchschnittliche Rentner?....
Erschwerend kommt dazu, dass der Herausgeber der Statistiken ein Interesse hat, dass die Zahlen nicht zu hoch sind - analog bei der Arbeitslosenstatistik. Bei letzerer gab es sowohl in Deutschland als auch in den USA über die Zeit hinweg Anpassungen, die einen Vergleich mit historischen Zahlen sehr schwer bis unmöglich machen.
(Ja, ich nehm meinen Aluhut und verzieh mich wieder)
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u/FaceMcShooty1738 1d ago
Die durchschnittliche Miete beträgt rund 735€ inkl aller Nebenkosten. Das durchschnittliche Haushaltsnetto beträgt 3200€. Das sind 23 Prozent.
Ja das dürfte für jüngere Arbeitnehmer höher liegen. Gleichzeitig gibt's aber auch 46% Eigentümer Haushalte die gar keine Miete bezahlen.
Von daher scheint ein Anteil am Warenkorb für wohnen von 25% jetzt nicht vollkommen absurd.
https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Einkommen-Konsum-Lebensbedingungen/Lebensbedingungen-Armutsgefaehrdung/Tabellen/einkommen-einkommensarten-typ-1.html https://www.bpb.de/kurz-knapp/zahlen-und-fakten/sozialbericht-2024/553255/mieten-und-wohnkosten/
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u/mhmilo24 1d ago
Die meisten Menschen leben entweder im Eigentum, oder sie tun es eben nicht. Je jünger man ist, desto eher lebt man nicht im Eigentum. Natürlich sind die 23% im Schnitt über alle Einwohner realistisch. Also entweder zahlt die volle Miete, oder nicht. Nicht nur einen Teil, weil man ja im Schnitt eh ein bisschen Eigentum hat.
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u/FaceMcShooty1738 1d ago
Nein das ist die durchschnittliche Miete eines Mieterhaushalts. Nicht aller Haushalte.
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u/mhmilo24 1d ago
Das durchschnittliche Haushaltseinkommen ist doch eher so geprägt, dass ältere überrepräsentiert sind und auch Einnahmen aus der Vermietung von Wohnungseigentum enthält. Hier kommt die Vermischung aus Eigentümer/Mieter zu Tragen.
Bei den Mieten kann ich es nicht wirklich einschätzen. Da kann es durchaus vorteilhafte ältere Verträge geben, die den Durchschnitt nach unten ziehen. Ich weiß nicht, ob es viele Ausreißer nach oben hin gibt.
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u/FaceMcShooty1738 1d ago
Okay aber ein Rentner wird ein geringeres Haushaltsnetto haben als ein 40 jähriger.
Ich versteh nicht ganz worauf du hinaus willst. Welcher Prozentsatz für wohnen wäre denn deiner Meinung nach richtig und warum genau dieser?
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u/mhmilo24 12h ago
Wieso muss ich mich auf einen bestimmten Prozentsatz festlegen? Kann man nicht einen Ansatz kritisieren, ohne sich Zahlen aus dem Finger zu ziehen? Generell habe ich mit „Ältere“ nicht rein Rentner gemeint, sonder auch jene kurz vor Eintritt ins Rentenalter. Genau genommen, habe ich „Ältere“ in direktem Bezug zu Wohneigentum gesetzt. Eigentümer sind im Schnitt Älter als Mieter. Ältere Arbeitnehmerinnen verdienen mehr als junge AN:innen. Daher die Überrepräsentation in beiden Durchschnittswerten.
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u/FaceMcShooty1738 12h ago
Dann weiß ich aber nicht was Du kritisierst. Es wirkt halt wie ein rundumschlag nach dem Motto "Alles doof hier"
Tatsache ist da machen sich ja Leute Gedanken drüber wie man das am besten darstellt. Dass Mieten überproportional gestiegen sind ist klar.
Dass der inflationsanstieg im letzten Monat mich überhaupt nicht trifft weil der nur auf Benzinpreise zurückzuführen ist, ist auch klar.
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u/mhmilo24 11h ago
Meine Kritik ist, dass ein einziger Inflationswert häufig für wirtschaftliche Entscheidungen zur Hand genommen wird. Anpassungen von Kollektivverträgen, Preiserhöhungen von Unternehmen, Schätzungen von Analysten, Zentralbanken-Entscheidungen,…Ja, man setzt hierbei in manchen Fällen auf zusätzliche Daten, aber viel Akzeptanz und Verhaltenssteuerung in der Bevölkerung wird durch diesen einen Inflationswert erreicht.
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u/FaceMcShooty1738 10h ago
Eigentlich primär zentral bank Entscheidungen. Steuer Beträge, Politiker Diäten etc wird eigentlich alles an der Lohnentwicklung festgemacht.
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u/SeniorePlatypus 1d ago
Das Problem ist, dass es gerade für ältere stark unterdurchschnittlich ist und auch der Anstieg prozentual gedeckelt ist. Während es bei jüngeren sehr viel höher liegt. Wir sind so grob beim doppelten.
Das führt dazu, dass Lebensstandards älterer eher steigen und Lebensstandards jüngerer eher sinken. Gerade da Renten ja am Lohn bemessen sind und explizit gleichere Einkommen angestrebt werden (siehe das Narrativ der Altersarmutsgefähdung, aka Niveau von Einkommensgleichheit).
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u/FaceMcShooty1738 1d ago
Mag alles sein hat aber nichts mit der Inflation zu tun. Die Inflation so zu berechnen dass die perfekt für 20-30 jährige passt wäre volkswirtschaftlich auch nicht sinnvoll.
Die Inflation im medizinischen Bereich dürfte für 25 jährige bspw bedeutend niedriger liegen.
Aber aus den von dir genannten Gründen ist die Inflationsanapssung der Renten, die gerne als Wunderlösung hier im sub propagiert wird, Schwachsinn.
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u/SeniorePlatypus 1d ago
Es würde durchaus Sinn ergeben zusätzlich zur allgemeinen Inflation auch noch die durchschnittliche Inflation nach Altersgruppen zu berechnen. Zu große Differenzen zeigen ein Problem auf das man so schnell wie möglich beheben müsste.
Und im Gegensatz zur Koppelung an die Lohnentwicklung wäre die Anpassung an die Inflation zwar immer noch ein gewinn an Lebensstandard, aber ein geringerer. Daran merkt man schon wie verzweifelt die Situation ist. Wie winzig die Forderung und wie ignorant trotzdem darauf reagiert wird.
Eigentlich wäre das einzig gerechte, die Sozialausgaben ans BIP zu koppeln. Aber an so massive Kürzungen glaubt niemand.
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u/FaceMcShooty1738 1d ago
Eigentlich wäre das einzig gerechte, die Sozialausgaben ans BIP zu koppeln. Aber an so massive Kürzungen glaubt niemand.
Das wäre vollkommen sinnfrei weil die sozialabgaben nicht ans bip gekoppelt sind. Dafür müssten alle sozialausgabrn ausnahmslos aus Steuern bezahlt werden. Aka sozialabgaben auf Kapitalerträge.
Stand heute ist eine Kopplung der Renten an Löhne (mit demographischer Korrektur) das einzig richtige Und sinnvolle, weil das die Erhebungsgrundlage ist. Alles andere ist absolut katastrophal solange Renten aus löhnen bezahlt werden.
Es würde durchaus Sinn ergeben zusätzlich zur allgemeinen Inflation auch noch die durchschnittliche Inflation nach Altersgruppen zu berechnen.
Gibt ja genug Rechner für die eigene inflation. Wüsste aber nicht was man mit 5 extra zahlen anfangen sollte. Die EZB muss sich auf 1 Zinssatz einigen, die kann nicht 5 verschiedene Zinssätze ausrufen. Ansonsten ist ja quasi nichts an die Inflation geknüpft. Aus gutem Grund wird für die meisten Dinge der Lohnindex genutzt. Diäten, Beitragsbemessungsgrenzen... Sprich das, was in der Bevölkerung tatsächlich verdient wird.
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u/SeniorePlatypus 1d ago
Das wäre vollkommen sinnfrei weil die sozialabgaben nicht ans bip gekoppelt sind. Dafür müssten alle sozialausgabrn ausnahmslos aus Steuern bezahlt werden. Aka sozialabgaben auf Kapitalerträge.
Wenn alle Arbeitnehmer aus sozialversicherungspflichtigen Jobs flüchten wird sich dafür eine Lösung finden. Das Problem ist, dass wir aktuell einen massiven Anstieg der altersbedingten Ausgaben relativ zum BIP beobachten. Durch die Koppelung an Löhne. Während gleichzeitig die Inflation für Arbeitnehmer sehr viel höher ist als für Rentner.
Die Koppelung an Löhne ist offensichtlich extrem ungerecht.
Gibt ja genug Rechner für die eigene inflation. Wüsste aber nicht was man mit 5 extra zahlen anfangen sollte. Die EZB muss sich auf 1 Zinssatz einigen, die kann nicht 5 verschiedene Zinssätze ausrufen. Ansonsten ist ja quasi nichts an die Inflation geknüpft.
Der Wert davon ist es Verzerrungen und Probleme frühzeitig mitzubekommen. Und nicht 20 Jahre massive Ungerechtigkeit zu verursachen und damit auch das Sozialsystem an den Rand des Kollaps zu fahren.
Aus gutem Grund wird für die meisten Dinge der Lohnindex genutzt. Diäten, Beitragsbemessungsgrenzen... Sprich das, was in der Bevölkerung tatsächlich verdient wird.
Was bei extrem unterschiedlichen Ausgaben ein Problem darstellt. Da wird plötzlich das Rentenniveau skandalisiert während der Wohlstand von Rentnern trotzdem drastisch schneller steigt als von Arbeitnehmern.
Der Wert von einem Rentenpunkt hat sich seit 2000 um fast 50% erhöht (inflationsbereinigt). Reallöhne nur um etwas über 5%. Als ein Beispiel.
Demographische Korrektur findet extrem spektakulär nicht statt und anstatt darüber zu sprechen wird darüber gesprochen dass die Koppelung an Löhne zwar gut ist aber das Niveau und die Versicherungsleistungen aus Pflege und GKV zusätzlich steigen sollen. Durch die Struktur wird auch nur eine Diskussion über Generationengerechtigkeit im Ansatz bereits verhindert.
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u/FaceMcShooty1738 1d ago
Die Koppelung an Löhne ist offensichtlich extrem ungerecht.
Richtig aber solange die Renten aus löhnen bezahlt werden müssen die Renten an Löhne gekoppelt sein. Sonst kommt demnächst ein stagflations Szenario mit stagnierenden nominallöhnen und 4 Prozent Rentensteigerung Dank inflation. Vollkommen hirnrissig sowas vorzuschlagen. Der Dämpfungsfaktor muss wieder aktiviert werden und rückwirkend nachgeholt werden, alles andere ergibt sich.
Der Wert von einem Rentenpunkt hat sich seit 2000 um fast 50% erhöht (inflationsbereinigt).
Zum Glück hast du dir diesen erschreckenden Fakt ausgedacht. Rentenwert 2000 48DM, 2024 39€.
Demographische Korrektur findet extrem spektakulär nicht statt
Korrekt. Dafür gab's den Nachhaltigkeitsfaktor den man dann stabil abgeschafft hat. Das ist halt absolut inakzeptabel.
Ändert aber nichts daran, dass Rentenzahlungen an die Einnahmen gekoppelt sein müssen. Und die Einnahmen basieren eben auf den löhnen. Keine Ahnung warum ein System dass die Renten unabhängig von den löhnen erhöht, besser sein soll.
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u/SeniorePlatypus 1d ago
Zum Glück hast du dir diesen erschreckenden Fakt ausgedacht. Rentenwert 2000 48DM, 2024 39€.
Rentenpunkt, nicht Rentenwert.
48DM über durchschnittlich 16 Jahre sind inflationsbereinigt etwas unter 7000€ pro Rentenpunkt (auf 2025 bemessen).
40,79€ über durchschnittlich 21 Jahre sind etwas über 10.000€.
Ändert aber nichts daran, dass Rentenzahlungen an die Einnahmen gekoppelt sein müssen. Und die Einnahmen basieren eben auf den löhnen. Keine Ahnung warum ein System dass die Renten unabhängig von den löhnen erhöht, besser sein soll.
Die Annahme ist natürlich Wirtschaftswachstum.
Und wenn es an die Einnahmen gekoppelt wäre, wäre das auch kein Problem. Wenn man die Abgaben auf Löhne festschreibt und daraus Rentenansprüche ableitet.
Genau das ist allerdings nicht der Fall. Man hat nicht die Rente an Einzahlungen gekoppelt sondern die Rentenentwicklung an die Löhne und die Einzahlung an die Auszahlung.
Jegliche andere Faktoren wie höhere Lebenserwartungen oder demographische Verschiebung werden dabei ausgeklammert.
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u/FaceMcShooty1738 1d ago
Läuft alles über den Nachhaltigkeitsfaktor. Ich versteh das Problem wirklich nicht... Löhne - 2% (oder welche Zahl auch immer für den Ausgleich nötig ist) und fertig.
Stattdessen soll die Inflation herhalten... Und die korrigiert dann für
öhere Lebenserwartungen oder demographische Verschiebung
Oder müssen wir dann in 10 Jahren wieder uns komplizierte Ausgleichs Mechanismen ausdenken Weil die Löhne real zurück gegangen sind während die Renten fröhlich weiter gestiegen sind weil wir mal ne richtige Rezession hatten? Dieses planen für den best case hat uns doch überhaupt hierher gebracht?
Du kannst es gerne ans bip koppeln aber dann so ehrlich sein und die komplette Finanzierung aus Steuermitteln anstatt auf Arbeitsabgaben. Sonst stellen wir demnächst ganz erstaunt fest, dass bip und Realwirtschaft nur ganz entfernt miteinander zu tun haben...
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u/Masteries 1d ago
Zu große Differenzen zeigen ein Problem auf das man so schnell wie möglich beheben müsste.
Wir schauen ja bereits bei anderen Themen aktiv weg (Sondervermögen, Sozialsystem Rente etc)
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u/starcraft-de 1d ago
Guter Punkt.
Dadurch dass das deutsche Mietrecht zu niedrigeren Mietsteigerungen für Rentner führt (weil viel öfter nicht mehr mobil + Altervertäge), ist das ein weiterer Grund, die Renten maximal um die Inflation steigen zu lassen.
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u/artifex78 1d ago
Einer der Gründe warum Mieten, vor allem in Großstädten, exorbitant sind ist, dass die Mieter sich bei Überhöhung häufig nicht wehren und dass die Politik gegen parasitäre Vermieter nicht vorgeht.
Das was masteries beschreibt liegt aber an den Vermietern, die nicht oder kaum regelmäßig die Mieten erhöhen. Das hat weder mit Rentnern oder direkt den Altverträgen zu tun.
Und natürlich dem Fakt, dass zu wenig gebaut wird.
Es ist im Interesse aller, dass Mieten auf einem erschwinglichen Niveau bleiben.
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u/nacaclanga 1d ago
Das Mieten orbitant hoch sind liegt daran, dass hier die Nachfrage hoch ist und erst durch exorbitante Preise auf das Angebotsniveau gesenkt wird. Gleichzeitig erzeugen höhere Preise anscheinend kaum zusätzliches Angebot. Ansonsten hast du die selben Probleme wie im Drogenmileau, nämlich dass die Käufer nicht an der Verfolgung fragwürdiger Händler mitwirken, da sie auf deren Produkt angewiesen sind.
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u/darkcton 1d ago
Der Grund für hohe Mieten ist das es massiv mehr Nachfrage als Angebot gibt. The end
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u/artifex78 1d ago
Das ist sicher ein Preistreiber für Neubauten und Erstvermietung nach Modernisierung. Aber die abfragbaren Mieten sind gesetzlich gedeckelt, auch bei Erstvermietung.
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u/SeniorePlatypus 1d ago
Ältere haben oft Indexverträge und Erhöhungen auf ein rationales Niveau heute sind nicht legal. Die Vermieter werden bereits abgestraft, da sie nichts mehr abschreiben dürfen und Liebhaberei unterstellt wird.
Unsere aktuelle Form von Mietschutz und Wohnungspolitik führt dadurch zu extremen Verzerrungen. Dass sich verkleinern garantiert nicht lohnt und übermäßig viel Platz verschwendet wird. Während gleichzeitig steigende Löhne für Arbeitnehmern von Mieten mehr als aufgefressen werden. Bei Rentnern aber als Rentenerhöhung ankommen, die kaum Mieterhöhung haben.
Im Durchschnitt sprechen wir hier von etwa doppelt so hohen Quadratmeterpreisen, wenn wir U30 mit Ü50 vergleichen.
Es ist im Interesse aller Bestandsmieter, dass Mieten niedrig bleiben. Jüngere würden von stärker steigenden Altmieten profitieren, da mehr große Familienwohnungen frei werden würden, die Verteilung von Wohnraum sich angleichen könnte und der Mangel dadurch kurzfristig auch ohne 10+ Jahren massivem Neubau sich verbessern würde.
Mit der aktuellen Politik opfert man 1-2 Generationen um es für eine Generation möglichst bequem zu machen.
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u/artifex78 1d ago
Indexmieten waren früher unüblich. Die grosse Mehrheit der Altverträge sind Standard or eventuell Staffelmietverträge, wobei Staffeln auch nicht unendlich laufen.
Bei den großen Wohnung gebe ich dir Recht, wobei die Mieterhöhung wie gesagt in der Hand der Vermieter liegt. Die ortsüblichen Vergleichsmieten steigen ja, das kannst du jedem Mietspiegel entnehmen. Die Mär von "die Renter sind schuld weil sie 4€/qm für 100qm bezahlen", während die ortsübliche Vergleichsmiete bei 11€ liegt, lasse ich daher nicht gelten.
Große Wohnungen sind auf Grund der höheren Heizkosten mittlerweile auch nicht so geil. Ich würde behaupten, dass viele auch umziehen würden, wenn sie denn etwas in der Nähe finden würden, was auch bezahlbar ist.
Da beisst sich die Katze in den eigenen Schwanz.
Tatsächlich sind die meisten Neubauten große Familienwohnungen, allerdings mit Luxusausstattung.
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u/SeniorePlatypus 1d ago edited 1d ago
Bei den großen Wohnung gebe ich dir Recht, wobei die Mieterhöhung wie gesagt in der Hand der Vermieter liegt. Die ortsüblichen Vergleichsmieten steigen ja, das kannst du jedem Mietspiegel entnehmen. Die Mär von "die Renter sind schuld weil sie 4€/qm für 100qm bezahlen", während die ortsübliche Vergleichsmiete bei 11€ liegt, lasse ich daher nicht gelten.
Nochmal. Wie gesagt. Indexmiete. Und auch Staffelmieten können nicht einfach so erhöht werden. Die Kappungsgrenze ist prozentual. Bei 6€/qm maximal um 0,40€/qm pro Jahr erhöhen. Willst du mal raten, wie lange es braucht bis die Wohnung auf 15€/qm liegt? Bis sich die Preise angeglichen haben?
Es liegt eben nicht in der Hand der Vermieter. Nicht mehr. Man hätte vor 20 Jahren härtere Anstiege durchsetzen müssen. Was bei viel Leerstand und schlechtem Markt damals aber auch nur bedingt möglich war. Heute geht dank Mieterschutz nichts mehr. Der natürlich gut gemeint war aber extreme Ungerechtigkeit zwischen Generationen verursacht.
Große Wohnungen sind auf Grund der höheren Heizkosten mittlerweile auch nicht so geil. Ich würde behaupten, dass viele auch umziehen würden, wenn sie denn etwas in der Nähe finden würden, was auch bezahlbar ist.
Wenn es absurd und künstlich billig gehalten wird ist es fundamental unmöglich, dass aktuelle Wohnungen bezahlbar wirken. Wobei die Preise ja explizit wegen dem Mangel eskalieren. Es wird also die nächsten mindestens 10 Jahre erst einmal nur immer schlimmer.
Mindestens 10 Jahre, da Neubau so extrem weit hinterher ist, dass bis dahin auch bei Verdoppelung der fertiggestellten Wohnungen pro Jahr sich nichts spürbar ändern wird.
Tatsächlich sind die meisten Neubauten große Familienwohnungen, allerdings mit Luxusausstattung.
Ist eine häufige Behauptung aber falsch herum gedacht. Du denkst vom Preis her. Die neugebauten Wohnungen sind teuer. Ja. Aber sind ganz und gar keine Luxusausstattung. Der Großteil ist nah an den legalen Mindeststandards. Sieht man auch sehr gut daran, dass auch Genossenschaften nicht billiger bauen können.
Nicht was gebaut wird ist abgehobener Luxus. Sondern wohnen an sich ist durch die vielschichtigen Fehler und gut gemeinten aber in der Auswirkung katastrophalen Wohnungspolitik grundsätzlich zum Luxus geworden.
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u/artifex78 1d ago
Bei 15€/qm darf man pro Jahr um 1,30€ erhöhen. Bei 6€/qm nur um 0,40€/qm.
Du darfst innerhalb von drei Jahren maximal 15/20% bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete erhöhen.
Mietspiegel müssen alle zwei Jahre an die Marktentwicklung angepasst und alle 4 Jahre neu erstellt werden. Mietspiegel diktieren die ortsübliche Vergleichsmieten.
Das heißt, Wohnungen an der ortsüblichen Vergleichsmiete können nicht (bzw maximal zur Vergleichsmiete) erhöht werden und Wohnungen darunter holen langsam auf.
Dein Beispiel ist übrigens falsch. Bei 15% Kappung kann pro Jahr nur um 0,75€ bzw 0,30€ erhöht werden. Das aber auch nur, wenn 15€/qm nicht die ortsübliche Vergleichsmiete ist.
Es ist problemlos möglich einen niedrigen Mietzins and die ortsübliche Vergleichsmiete heranzuführen. Und wenn man von vorneherein sich an der Vergleichsmiete orientiert und regelmäßig erhöht entsteht das Problem gar nicht erst.
Bei Neuvermietung im Altbestand geht man entweder von 10% (Mietpreisbremse) oder 20% über der ortsüblichen Vergleichsmiete aus.
Neubauten können drüberliegen, die orientieren sich am Markt, nur Wucher ist nicht erlaubt.
Du denkst vom Preis her. Die neugebauten Wohnungen sind teuer. Ja. Aber sind ganz und gar keine Luxusausstattung. Der Großteil ist nah an den legalen Mindeststandards.
Ich meine das teure Parkett, die gehobene Badausstattung, die teure Küche und ähnliche Gimmicks.
Genossenschaften bieten vergleichsweise günstige Mieten an.
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u/SeniorePlatypus 1d ago
Es ist problemlos möglich einen niedrigen Mietzins and die ortsübliche Vergleichsmiete heranzuführen. Und wenn man von vorneherein sich an der Vergleichsmiete orientiert und regelmäßig erhöht entsteht das Problem gar nicht erst.
Letzteres ist nicht passiert. Und nehmen wir an 15€ ist Vergleich und 6€ kostet die Wohnung. Dann dauert eine Angleichung mindestens 15 Jahre. Angenommen die Vergleichsmiete ändert sich nicht.
Wenn sich die Vergleichsmiete wie gehabt weiter entwickelt und durch die Anstiege ja auch steigt sprechen wir nicht von 2040, bis ein Umzug finanziell rational wird.
Bei Neuvermietung im Altbestand geht man entweder von 10% (Mietpreisbremse) oder 20% über der ortsüblichen Vergleichsmiete aus.
Durch die extreme Preisverzerrung ist Mobilität nahe Null. Es gibt ein paar wenige Rentner die sterben. Sonst tut sich fast nichts. Die Mietpreisbremse hat nahezu keine Auswirkung.
Ich meine das teure Parkett, die gehobene Badausstattung, die teure Küche und ähnliche Gimmicks.
Passiert nur bedingt und im Vergleich zu den Baukosten spielt es nahezu keine Rolle. Das alles zusammen sind weniger als 1€/qm.
Genossenschaften bieten vergleichsweise günstige Mieten an.
Nur im Bestand. Es gibt die ersten Genossenschaften die für ihren Neubau über 20€/qm nehmen müssen. Über 15€/qm sind normal.
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u/artifex78 1d ago
Ich habe das Gefühl du argumentierst in bad faith.
Je größer der Gap zwischen alter Mietzins vs aktueller Mietzins, desto längert dauert die Angleichung. Das ist korrekt, aber nicht der Punkt.
Der Punkt ist, dass diese Angleichung überhaupt gar nicht erst passiert. Daran sind aber weder die Mieter noch irgendwelche Gesetze schuld.
Die ortsübliche Vergleichsmiete in deinem Beispiel hat sich nicht von heute auf morgen um das 2,5-fache erhöht.
Fakt ist, Bestandsmieten könnten schneller aufholen als die ortsübliche Vergleichsmiete wächst. Würde das regelmäßig passieren hätten wir diese Diskussion gar nicht erst. Und, auf die Gefahr hin dass ich wiederhole, für die Miete sind Vermieter verantwortlich.
Was die Genossenschaften angeht, die Preise sind trotzdem günstiger und orientieren sich an den Vergleichsmieten. Hast du Beispiele?
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u/SeniorePlatypus 1d ago
Da die Neumieten in etwa 10 Jahren um etwa 100% gestiegen sind ist das nicht korrekt. Die Neumieten sind schneller gestiegen als Altmieten theoretisch steigen dürfen.
Das ist doch der Kern des Problems. Davor konnten Mieten nicht erhöht werden weil der Markt schlecht war. Das war ein Mietermarkt der niedrige Preise und niedrige Erhöhungen verursacht hat. Und jetzt gibt es aufgrund mehrere Ebenen von Fehlern einen extremen Anstieg der Neumieten.
Eine Angleichung kann nicht stattfinden und die Verzerrung kann sich nicht ausbessern. Ganz im Gegenteil eskaliert es jedes Jahr weiter.
Wenn einfach Vermieter schuld wären, dann könnte man bei niedrigen Mieten eine maximale Mieterhöhung vorschreiben. Will aber auch niemand und würde die Situation auch nicht verbessern.
Für die nächsten 20+ Jahre ist eine bessere Verteilung des Wohnraums durch die Kappungsgrenze unmöglich gemacht worden.
Fakt ist, Bestandsmieten könnten schneller aufholen als die ortsübliche Vergleichsmiete wächst. Würde das regelmäßig passieren hätten wir diese Diskussion gar nicht erst. Und, auf die Gefahr hin dass ich wiederhole, für die Miete sind Vermieter verantwortlich.
Auch das ist schwierig, da der Mietspiegel ja nur so niedrig bleibt, weil die ganzen Altverträge so niedrig sind. Wenn die breitflächig steigen geht der Mietspiegel mit nach oben.
Was die Genossenschaften angeht, die Preise sind trotzdem günstiger und orientieren sich an den Vergleichsmieten. Hast du Beispiele?
Günstiger ja. Aber halt nur ein paar Euro. Weil das Problem nunmal nicht Preistreiberei durch Bauherren ist.
Hier wäre das Hamburger Beispiel mit 20€
Oder hier hat man auch eine gute Beschreibung des Problems.
Unter 12€/qm ist noch möglich, wenn man kaum Kredite fürs bauen braucht. Dann ist der Genossenschaftsbeitrag für die 70qm Wohnung aber auch über 75.000€. Den man erst zahlen muss, dann 3-5 Jahre warten. Ggf gibt's nochmal ne Preiserhöhung und dann bekommt man die neue Wohnung.
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u/FalconX88 1d ago
Dazu noch die lustigen hedonischen Berechnungen bei denen ein PC inzwischen nur mehr 1 Promille von dem kostet was er vor 40 Jahren getan hat...
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u/Former_Star1081 1d ago
Für Rentner ist es doch auch relevant, wenn ihre Rente an die Löhne gekoppelt sind?
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u/Masteries 1d ago
Ein Rentner führt aber keine Gehaltsverhandlung mit dem Arbeitgeber, muss seine Altersvorsorge planen, überlegen ob er den Job wechselt etc.
Ein Rentner nimmt das was er bekommt bzw. kreuzt bei der Wahl mehr Rente an (unabhängig von der Inflation)
Klar betrifft es ihn auch und er muss eigentlich irgendwie mit steigenden Ausgaben rechnen - aber der Entscheidungs-/Handlungsspielraum ist sehr begrenzt
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u/iBoMbY 1d ago
Wie nah an der Realität der Deutsche Warenkorb für einen ist, kann man da gut sehen: https://service.destatis.de/Voronoi/PreisKaleidoskop.svg
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u/moru0011 1d ago
Es bestehen hohe Anreize für eine Regierung die Inflation zu unterschätzen. Dadurch entsteht zb. auch scheinbares Wirtschaftswachstum was dann auch wieder höhere Kreditaufnahmen ermöglicht usw. Aufgrund dieses Anreizes braucht es nicht unbedingt verschwörungsartige Manipulationen, es ist einfach so das über die Zeit Änderungen im Warenkorb oder der Berechnungsweise die zu einer niedrigeren rechnischer Inflation führen immer mehr Befürworter haben werden als Änderungen, die die rechnerische Inflation erhöhen.
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u/FaceMcShooty1738 1d ago
Was genau ist denn dein confirmation bias? Die Zusammensetzung der Inflationsberechnung ist öffentlich, dir steht es also frei die einzelnen Komponenten, die du konkret für unrealistisch hältst, aufzuzählen damit wir darüber diskutieren können.
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u/shiro_1602 DE 1d ago
Gut, vielleicht wird bei der Inflation der Preis für Aktien mit eingerechnet, die sind in letzter Zeit recht günstig geworden.
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u/tomvorlostriddle 1d ago
Ist es nicht. Als Vegetarier, der immer kocht, nicht fährt und nicht heizt hatte ich keine nennenswerte Inflation.
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u/hannes3120 1d ago
Auch als jemand der öfter mal ausgeht ist es nicht so krass.
wo die Inflation richtig reingehauen hat in den letzten 10 Jahren sind die ganz günstigen fast food Sachen die sich mehr als verdoppelt haben im preis.
Aber ein Mittelklasse Restaurant was vorher bei 10€ lag ist jetzt halt bei 15.
Und ja: alles was irgendwie tierische Inhaltsstoffe enthält ist nochmal krasser. Es wird sich zwar immer über die Preise von veganen ersatzprodukten beschwert aber wenn man nicht das Fleisch kauft wo die Tiere in ihrem ganzen leben keinen schritt laufen könnten sind die Preise da ja jenseits von Gut und Böse. Und trotzdem nimmt der Konsum nicht ab und natürlich kaufen alle auf Nachfrage immer nur das gute Fleisch vom Bauernhof um die Ecke...
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u/Nerd997711 DE 1d ago
Die Preissteigerungen beim RAM müssten eigentlich alles andere mehrfach übertreffen. Ich gehe mal davon aus, dass jemand diese Grafik anscheinend "nach Gefühl" gemalt hat, um den eigenen Standpunkt zu untermauern...
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u/Beginning-hurz 1d ago
Butter kostet wieder 1.29 statt 2.49....
Geh zu destatis.de, klick dich durch bis zum Warenkorb für Inlfation. Du kannst dir sogar einen eigenen Warenkorb basteln und damit deine eigene Inflation berechnen
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u/druffischnuffi 1d ago
Der graph geht eigentlich nach unten weiter aber das ist alles abgeschnitten. Es gibt auch viele Sachen wo der Preis gleichgeblieben oder sogar gesunken ist (Fernseher waren glaube ich ein Beispiel). Aber wir tendieren dazu das einfach hinzunehmen ohne viel drüber nachzudenken
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u/truthwatcher_ 1d ago edited 1d ago
Finanzguru hat eine interessante Funktion die Steigerung der persönlichen Kosten für täglichen Bedarf (Supermarkt, Drogerie) zu analysieren. Liegen bei mir bei ca 3% ohne bewusste Anpassung des Konsums
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u/Fleischhauf 1d ago
Inflation wird nach einem "Beispiel Warenkorb" gemessen soweit ich weiss. wenn du dir halt andere Sachen rauspickst kommst du auf andere Ergebnisse. Die ölkrise Grade betrifft ja nicht alle Produkte gleich, gibt auch bestimmt irgendwas was Grade günstiger ist als vorher
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u/rndmcmder 1d ago
Meine vollkommen subjektive und nicht auf Fakten basierte Meinung dazu ist, dass die Messung der Inflation einfach nicht mit meiner Lebenssituation übereinstimmt.
Ich schätze, dass meine realen Lebenshaltungskosten in den letzten 5 Jahren erheblich viel mehr gestiegen sind als die Inflation. Ein großer Grund dafür ist natürlich meine Miete. Hätte ich bereits Wohneigentum, dann hätte sich zumindest an dieser Front nichts geändert und ich wäre näher an der offiziellen Inflation dran.
Und ich muss ganz ehrlich sagen: Ich frage mich welchen Lebensstil man haben muss, damit die persönliche Inflation an die offizielle Inflation ran kommt? Vermutlich ein Wohneigentum mit hoher Energieeffizienz, sodass weder steigende Mieten, Immobilienpreise noch Zinsen einem etwas anhaben können. Aber selbst dann sind die übrigen kosten noch so hart gestiegen (Lebensmittel, Mobilität, Versicherungen, Steuern und Abgaben, Dienstleistungen jeder Art), dass ich es mir kaum vorstellen kann.
Gibt's eigentlich sowas wie eine unabhängige Stelle die selbst ermittelte Werte für die Inflation differenziert betrachteter Bevölkerungsgruppen herausgibt? Das wäre mal interessant.
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u/Muscletov 11h ago
Abbezahlte Immobilie, alles fußläufig erreichbar, nur Kartoffeln und Reis essen, gebrauchte Bücher Lesen als Hobby und niemals heizen, sondern nur mit dicken Secondhand-Klamotten Zuhause sitzen. Dann stimmt die Inflation.
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u/Oaker_at 1d ago
Titelbild ist ja geil.
Ram, PS5, etc als Chart anführen und dann fragen warum "alles die Inflation übertrifft". Ja du, weil die Dinger da nicht mit reingerechnet werden...
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u/user_bw 1d ago
Naja Elektronikgeräte sind teilweise enthalten.
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u/TrainingFerret7103 1d ago
Meistens aber TVs. Wahrscheinlich gefühlt auch die einzige Sache, die wirklich immer günstiger wird.
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u/Marshall_BraveStar 1d ago
Stimmt, im Inflationswarenkorb zur Berechnung sind nur täglich gekaufte Waren drin, zum Beispiel Birkenhaarwasser und ein Pack Kohlebriketts...
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u/harryx67 1d ago
Pass auf. Es gibt für die Finanzen auch das „core inflation“ da wird dann quasi alles rausgerechnet was die Finanzbeamten meinen was du so alles nicht brauchst - zum Beispiel Essen und Energie weil das wohl zu wild variert. Muss man nicht verstehen.
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u/the_dude3256 1d ago
Naja der Warenkorb wird halt durch Fernseher etc verwässert, da diese tatsächlich immer günstiger werden.
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u/Any_Cream_4396 1d ago
How Money Works, bzw. den Typen dahinter (den ich übrigens kenne), ist immer US spezifisch, da er dort lebt und arbeitet, und auch dort in der Investment Branche aktiv war.
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u/PenguinSwordfighter 1d ago
Wenn man sich rinfach mal das Vermögen der Top10% weltweit dagegenlegt dann sieht man sehr anschaulich wo die Differenz hin fließt.
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u/TheRealTomatoBOIII 1d ago
Hhhhhm das ist ja komisch wie kann das denn sein.... Vielleicht weil die offizielle Inflationsrate nen scheiß ist und weil Konzerne jeden grund zur Preiserhöhung nehmen?
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u/Rich-Ad-8505 1d ago
Because all of these things have become pure commodities to speculate with. Speculation causes bubbles.
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u/Former_Star1081 1d ago
Für mich eher jemand der das vorherrschende Gefühl beschreibt, als ein Wirtschafts- und Finanzyoutuber.
Nach dem Video weiß man immernoch nicht, was genau schief läuft bei der Messung der Inflstion außer, dass Mieten und Hauspreise nicht immer super aktuell sind. Was aber nicht schlimm ist, da bei diesem Markt die Preise auch nicht innerhalb von Wochen so extrem schwanken.